Das Thema mit dem eigenen Pferd

Die Sache mit dem eigenen Pferd... 

Viele von uns haben sich immer ein eigenes Pferd gewünscht und einige hegen diesen Traum, bis ins Erwachsenenalter. 

Doch vielen ist nie wirklich klar, was eigentlich ein eigenes Pferd alles beinhaltet. 

Ich kann euch keine rosarote, tolle Welt mit eigenem Pferd vorspielen und möchte mit diesem Beitrag, einfach mal klare Fakten schaffen ! 
Vielleicht zerplatzt der ein oder andere Traum, vielleicht wird die Wunderwolke die sich einige von einem eigenen Pferd erträumen, nicht mehr ganz so wunderbar sein, aber so ist es - das Leben. 

 

Wie mein Vater schon als ich klein war zu sagen pflegte : "Die Anschaffung eines Pferdes ist einfach, die Haltung etwas ganz anderes und das, ist das Problem!"

 

Bevor wir Dusty und auch später Krümel kauften, kalkulierten wir (wie fast jeder) alles durch. Tierarztkosten, Unterhaltskosten, Versicherung, Ausrüstung, Unterricht etc etc... Man kann noch so großzügig rechnen, man überschreitet die Kosten - IMMER ! 
Und ein Pferd zu besitzen, bedeutet nicht nur : "Juhu, jetzt habe ich ein eigenes Pferd, welches ich reiten kann!"

Ein eigenes Pferd, bedeutet so viel mehr. 

Ich habe immer gedacht, ich weiß viel über Pferde. 
Habe an Lehrgängen teilgenommen, meine Pässe gehabt, viel Theorie gelernt und seit ich klein war, bin ich geritten. Doch wenn das eigene Pferd dann vor einem steht, merkt man erst einmal wie viel man noch wirklich lernen muss ! 


Ein Pferd funktioniert nicht, fangen wir doch damit schon einmal an. 

Und ich werde jetzt meine jahrelangen Beobachtungen äußern, die ich sonst verschwiegen habe oder über die ich nur mit meinen engsten Freunden geredet habe. 
Vor ab: Man hat als Nichtbesitzer, nichts zu sagen ! 
Das ist eine absolute Regel von mir, ich mische mich nicht ein, außer es sind "Freunde" von mir. 

Und glaubt mir, wenn ich meine Meinung kund getan habe, war ich ganz schnell keine Freundin mehr. Was glaubt ihr warum teilweise so gerne Lügen über mich verbreitet werden?

Wer ehrlich ist, verliert - immer. Aber wenigstens habe ich eine reine Weste. 


Viele die sich ein eigenes Pferd kaufen verlangen, dass es funktioniert. Nur zu oft sehe ich bei Bekannten oder auch Freunden, wie sie ihre Pferde ungerecht behandeln. Kaum haben sie ein eigenes Pferd, wird es genutzt um viel zu reiten (was man vorher als Reitbeteiligung oder auch Schulpferdereiter nicht durfte). Zu oft habe ich gesehen wie die Hindernisse, von 0 auf 100 viel zu hoch gebaut wurden, obwohl das Pferd noch zu jung war, wie einige nach 2 Stunden knüppelharter Dressur auf dem Platz, weil´s eben vorher nicht gut genug war, noch ins Gelände ritten. Wie dem Pferd nach einem verpatzten Turnier oder während des Reitens, die Gerte vor Wut und Enttäuschung ins Gesicht geschlagen wurde oder sie halt auf den Hintern mehrfach rauf gedonnert wurde. Alleine wenn ich das schreibe, könnte ich direkt wieder ausrasten. 
Ein Pferd ist ein LEBEWESEN, kein Roboter und das vergessen meiner Meinung nach, sehr viele. Es hat seinen eigenen Kopf, versteht auch mal nicht was wir von ihm wollen und hat vielleicht auch einfach mal einen schlechten Tag oder ist einfach unsicher. 

Natürlich bedeutet es nicht : Lasst euer Pferd machen was es will, respektlos euch gegenüber sein o.ä. aber eine gesunde Rangordnung zwischen euch ohne Zwang und Gewalt, ist das A und O. Ich habe mit viel Bodenarbeit und jahrelanger Übung eben genau das (zumindest bei Dusty) erreicht. In seinen Augen bin ich der Herdenchef, er läuft mir nach wohin ich auch gehe und weicht wenn ich meinen Platz brauche. So ist es auch beim Reiten. Ein Ohr ist immer bei mir, volles Vertrauen auf das, was ich mir von ihm wünsche - ohne Zwang, ohne Druck. 

 

Ihr glaubt nicht wie viele von den da oben genannten Menschen erzählen, meinen Pferden würde es angeblich bei mir schlecht gehen und darüber kann ich nur lachen. 
Weil ich mein Pferd nicht im Training drille? Nicht jedes Wochenende aufs Turnier fahre oder rund um die Uhr, Leistung verlange ? Behandel ich meine Pferde deshalb schlecht oder geht es ihnen bei mir schlecht? 

 

Ich bin mit einem verhaltensgestörten Pferd gewachsen und habe gelernt, komplett umzudenken. Meine Pferde behandel ich, wie ich behandelt werden möchte. Ganz einfach ! 

Wenn ich merke, dass sie einen schlechten Tag haben, verlange ich eben nicht eine einwandfreie Dressurstunde oder einen fehlerfreien Parcours. Stattdessen, wird dann alles locker angegangen, vielleicht gibt's an dem Tag auch eben "nur" einen Beauty-Tag oder ich zottel entspannt ins Gelände - am nächsten Tag sieht die Welt ganz anders aus ! 

So, da wären wir mit dem ersten Thema schon mal durch, das Verhalten des eigenen Pferdes gegenüber. 
Doch was ist mit den vielen anderen Dingen ? 
Ein Pferd zu halten, bedeutet vor allem auch : Wissen, was dem eigenen Pferd gut tut ! 
Das bedeutet : 

Welche Haltungsform ist die richtige ? Eine teure Box? Ein günstigerer Offenstall? 
Viele kaufen ein Pferd und gehen nach ihrem Budget "Ich hab kein Geld für eine Box", ganz einfach - dann kaufe ich auch kein Pferd ! 

Ich mag Offenstall nicht, ich möchte Luxus - ganz einfach, der eigene Luxus wird HINTEN angestellt !
Ihr solltet immer einen Puffer haben und genügend Budget für beides ! 
Denn es kann immer sein, dass euer Pferd in der Box nicht klar kommt und einen 24 Stündigen Auslauf benötigt und genauso gibt es Pferde (wie meine), die im Offenstall nicht klar kommen. Denen das zu viel Stress ist und die dadurch abbauen. 

Nicht zu vergessen, die Fütterung ! 
Viele Pferde brauchen eine individuelle Fütterung, vor allem wenn sie Allergiker, Sportler, Senioren, schwerfuttrige oder leichtfuttrige Pferde sind. 

Auch das, geht ordentlich ins Budget. 
Der regelmäßige Schmiedbesuch ist das A und O, regelmäßige Impfungen, regelmäßige Zahnbehandlung (bei meinen, jedes halbe Jahr) und die Wurmkuren. 

Die richtige Ausrüstung darf natürlich auch nicht fehlen, sowie ein passender Sattel. Gerade bei einem Jungpferd sollte man diesen, alle halbe Jahre ansehen lassen. 

Vor allem durch das vielseitige Training, Bewegung und co. sollte man auch regelmäßig einen Physiotherapeuten, Osteopathen oder Chiropraktiker kommen lassen.  

 

Was ist mit dem Training? Ein eigenes Pferd bedeutet auch : Es gesund zu trainieren, die Muskeln zu erhalten und dafür zu sorgen, dass es vital durchs leben gehen kann. Ohne dieses Wissen oder generell diesen Gedanken, tut ihr eurem Pferd nichts gutes.
Somit ist regelmäßiger Unterricht und auch Korrekturberitt das A und O in der Pferdehaltung.

Doch das wichtigste ist, das Training individuell dem Pferd gerecht zu gestalten und nicht so, wie unsere eigenen Vorstellungen sind ! 

 

Das ist in der Regel nicht alles, denn schnell passiert es, dass euer Pferd krank wird und was dann? 

Dann flattert ganz schnell eine 1.000€-2.000€ o. m. Rechnung ins Postfach und was macht ihr dann? Wenn ihr keinen Puffer oder jemanden der euch unterstützt habt, häufen sich schnell die Schulden und wie leistet ihr euch dann noch den Unterhalt?

 

Sagen wir mal, ihr habt das Geld dicke in der Tasche, könnt euch somit all die Dinge locker mit einem lächeln leisten, doch was ist mit der Zeit? 
Natürlich, kann man auch mal 1-2-3 Tage sagen, heute hat mein Pferd mal frei, doch gerade bei vielen Jugendlichen sehe ich oft, wie das eigene Pferd erst super toll ist und dann das Leben mitmischt. Dann geht man mal eben gern auf Partys, shoppen, auf die Eisbahn usw usw usw. und dann hat man ganz schnell keine Lust, zum Pferd zu fahren. Denn ein Pferd zu besitzen bedeutet : Es ist euer Familienmitglied und da es kein Wildpferd ist, kann es sich nicht alleine versorgen. Reiten ist ein Wind und Wetterhobby und bei einem eigenen Pferd ist das täglich und bis an sein Lebensende der Fall. Wenn wir also in den Urlaub fahren, benötigen wir jemanden der sich kümmert - sei es eine Reitbeteiligung, ein Freund oder Familienmitglied - ein Pferd WILL versorgt werden ! 

 

Dass alles und vieles mehr, sollte euch IMMER bewusst sein, bevor ihr euch ein eigenes Pferd kauft. 

 

Fazit des Ganzen : Ein Pferd ist ein wunderbares Geschenk und man kann glücklich darüber sein, Pferdebesitzer sein zu dürfen. 
Sie geben einem unglaublich viel Freude, Spaß und man lernt viel - vor allem Verantwortung. 
Ich würde es niemals missen wollen, wie es ist ein eigenes Pferd zu haben und jeder Stress, jeder Kummer und jede Sorge, sowie Enttäuschung und Wut ist verflogen - wenn wir unseren Schätzen in die Augen sehen, sie uns entgegen brabbeln wenn wir kommen o.ä. 

 

Wie steht ihr zu diesem Thema ? Habt ihr Einwände? Sowohl als Pferdebesitzer oder noch nicht Pferdebesitzer ? 
Wie sind eure Erfahrungen ? 

Lasst es mich wissen ♥

 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Kim Wernecke (Dienstag, 16 Juli 2019 08:50)

    Super toll geschrieben! Es macht Spaß deine Einträge zu lesen . Ich sehe es zu 100% genau so . Man muss sich im Vorhinein über alle Kosten den Zeitaufwand etc klar sein. Da ich selber auch noch jung bin , die Schule besuche , meine Freizeit mit Freunden etc genießen will kommt für mich kein eigenes Pferd in Frage . Daher habe ich eine Reitbeteiligung für 2 mal die Woche ,und nehme an den Tagen der Besitzerin gewissensvoll die Arbeit ab , habe aber trotzdem meinem Spaß und die tolle Zeit mit dem Pferd. Es gibt so viele Möglichkeiten wie Pb, Rb oder Turnierbegleitung etc um den Pferden nah zu sein . Ein Pferd ist nur etwas für Leute mit genügend Erfahrung , Geld , und Zeit !


    Lg

  • #2

    Lucy (Dienstag, 16 Juli 2019 12:41)

    Erstmal vorneweg, wunderbar geschrieben!
    Ich besitze auch ein Pferd und 3 Ponys, welche allerdings meine Eltern finanzieren. (Worüber ich auch sehr froh bin) Denn meine Pferdis haben Talente dafür sich etwas anzutun und dann ist mal eben schnell der Tierarzt auf dem Hof. Das darf man wirklich nicht unterschätzen & wenn man möchte dass es seinen Pferden gut geht, gehört das nunmal dazu auch wenn es dabei dem Geldbeutel nicht gut tut.
    Allerdings Zarina, finde ich (Das sind aber wahrscheinlich deine eigenen Erfahrungen) sollte man nicht alles schlecht reden, du hast viel von Pferden geredet die schlecht behandelt wurden nach dem Turnier oder nach einem etwas nicht so gutem Training.. man muss auch dran denken.. Pferde sind wie gesagt auch Lebewesen und man kann sich von ihnen auch nicht auf der Nase rumtanzen lassen, denn man selbst ist der Chef. Die Pferde haben das zu tun was der Mensch sagt, klar gehört dazu auf jeden Fall nicht schlagen oder schlecht behandeln dazu. Man sollte sich aber auch klar im Gedanken sein, ein gutes Durchsetzungsvermögen zu haben und natürlich muss es zwischen Pferd und Reiter stimmen um so etwas wie schlagen o.ä. zu vermeiden.
    Aber wie gesagt, jeder hat seine eigene Meinung und jeder hat auch seine eigenen Erfahrungen mit Pferden gemacht und geht deshalb damit anders um.
    An alle die kein eigenes Pferd haben, man sollte wirklich gründlich drüber nachdenken. Denn wer das eine will muss das andere mögen.
    Lucy

  • #3

    Nora (Dienstag, 16 Juli 2019 17:37)

    Guter Beitrag und sehr realistisch!

    Das frisch gebackene Pferdebesitzer nach kurzer Zeit schon frustriert und unfair im Umgang sind habe ich leider auch schon öfter erlebt. Das ist wirklich ein Punkt der garnicht geht, aber gerade bei jüngeren und jungen Erwachsenen (oft mit Turnierambitionen) zu sehen ist..

    Genau aus diesen Gründen hadere ich schon lange mit mir, mir ein eigenes Pferd zu kaufen. Finanziell würde ich es hinbekommen. Zeitlich eigentlich auch und meine Schwester würde mich auch unterstützen.
    Dennoch will ich wenn ich etwas mache, auch 100% dahinterstehenden. Deswegen habe ich einfach meine Bedenken, trotz vieler Jahren Erfahrungen u.a. mit einem Pferd, welches zu 50% meines war. Ich möchte einfach, dass wenn ich ein Pferd hab, diesem auch gerecht werden und nicht ins straucheln kommen. Ich möchte den möglichst perfekten Umgang und kein frustriertes Handeln an den Tag legen wenn es mal finanziell plötzlich doch nicht mehr so rosig aussehen sollte. Auch wenn ich weiß, dass ich niemals Handkreiflich o.ä. werden würde, dafür hatte ich schon zu viele Pferde, die zwar nicht verhaltensgestört waren, dennoch aber nicht gerade einfach und dazu noch ultra sensiebel. Aber das alles ist mit Zeit, Liebe und Konsequenz machbar.. Da liegen auch meine Stärken.
    Dennoch bin ich aktuell wirklich über eine längere Zeit am kalkulieren dass im Falle eines Kaufes zumindest an den Grosteil gedacht ist!

    Ganz liebe Grüße,
    du machst das super.

  • #4

    Selina (Dienstag, 16 Juli 2019 22:01)

    Du hast vollkommen Recht. Ich habe auch ein eigenes Pferd. Nicht zu vergessen wenn das Pferd plötzlich krank und unreitbar wird. Was dann? 1. schießen die Kosten in die Höhe und 2. zerplatzen alle Träume (Turniere, Training, Reiten) welche man hatte. Die ganzen Kosten müssen aber trotzdem getragen werden, genauso muss weiterhin die ganze Zeit in das Pferd investiert werden, auch wenn es nicht mehr so "funktioniert" wie man es sich vorgestellt hat. Hat man dann kein zweites Pferd oder ein Pferd welches man zusätzlich mitreiten kann, dann hat sich das mit dem Reiten erstmal ganz schnell erledigt...Ein Pferd bestimmt fast das ganze Leben und ist eine riesige Aufgabe!