Schwarz-Weiß

Ich bin die Meisterin des Verdrängens, eine Künstlerin im Verbergen und ein Talent im Verstellen. 

Während meine Welt zerbricht, kann ich meisterhaft jedem vorspielen, bei mir liefe alles perfekt. 
Es reicht ein breites Lächeln, ich kann perfekt blenden.

Einer der vermutlich besten Eigenschaften, die so manche Borderliner besitzen und dennoch Segen und Fluch zugleich. 

 

Mich lernen die Leute kennen oder sehen mich durch Bekannte und denken : 
Bei der ist doch alles perfekt. 


Doch die wahre Welt, sieht nun Einmal anders aus. 

Viele meiner Follower sagen, ich sei authentisch. 

Was das in mir ausgelöst hat, kann ich nicht im geringsten beschreiben. (Aber es war sehr positiv)
Früher war ich nicht so. 
Ich habe viele viele Jahre in einer Scheinwelt gelebt und diese perfekt vorgelebt. Mir vieles eingeredet, was nicht war und auch sonst lief alles in Wahrheit ziemlich mies, nur ich redete mir anderes ein. 
Ich wollte halt unbedingt jedem, krampfhaft gefallen und das ist auch heute noch so - nur dass ich jetzt, ich bin.

Erst jetzt, wo ich älter wurde (raus aus der Pubertät), in der Beziehung mit meinem Freund und dem Klinikaufenthalt, habe ich beschlossen mich nicht mehr zu verstellen.

Nicht mehr zu lügen, damit mich andere akzeptieren und einfach ich zu sein. 

Schwieriger als man glaubt. 

Was die meisten nicht verstehen: 

Bei Borderlinern ist unser primärprozesshaftes Denken stark ausgeprägt, also das eher "unrealistische" Denken, ihr könnt euch das wie im Traum oder wie in der Phantasie vorstellen. 
Das realistische Denken, tritt dadurch zeitweise in den Hintergrund. 
Und der erste Schritt sich selbst und sein Leben zu akzeptieren, ist ein verdammt großer und glaubt mir - ich arbeite immer noch daran. 

 

Als Borderliner sehe ich die Welt Schwarz-Weiß, es gibt kein dazwischen. 

Ich sehe Erlebnisse oder Menschen entweder als nur "gut" oder als "böse", immer wechselnd, und es gibt nie einen Mittelweg. 
Es gibt gute und schlechte Tage, aber keine stinknormalen. 
Meine Gefühle, Einstellungen und Gedanken, können sich innerhalb kürzester Zeit schlagartig verändern. 

 

Einer der vermutlich anstrengendsten und schlimmsten Nachteile an der Borderlineerkrankung für mich, sind die unkontrollierbaren Emotionen und vor allem auch, meine unfassbar große Verlustangst und die Angst vorm Alleinsein.


Ich bin sehr Impulsiv, weshalb ich unglaublich schnell aus der Haut fahre. 
Vor allem, wenn ich mich nicht verstanden oder veräppelt fühle, ist es für mich unglaublich schwer ruhig zu bleiben. 
Mittlerweile versuche ich mit Hilfe von sogenannten "Skills" den Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen. Bevor ich zum Beispiel mit jemandem Streit anfange, frage ich mich selbst erst einmal :

"Ist es das wert und wirklich notwendig?"
Vor allem gerade im Streit, bin ich gut darin, Menschen unfassbar schnell auf 180 zu bringen und gerade mein Freund hat dann sehr damit zu kämpfen, nicht völlig auszurasten. 

Anfangs waren unsere Streitereien von meiner Seite aus völlig unkontrolliert, heute sind sie kürzer, teilweise auch ruhiger und vor allem sehr selten im Gegensatz zu früher. 
Ich versuche mich im Zaum zu halten und das ist nicht immer leicht. Manchmal kommt es mir bei Streitereien so vor, als wäre mein wahres Ich in mir gefangen und nur Zuschauer des Szenarios. 
Ich sage und tue Dinge, während ich innerlich schreie "Zarina hör auf!" - manchmal ist es unkontrollierbar. 

Genauso fällt es mir schwer meinen Körper zu kontrollieren, bei sehr emotionalen Themen. Egal ob ich diese mit Freunden berede, mein Freund sein Herz ausschüttet oder jemand aus meiner Familie. 

Gerade solche Momente sind für mich absoluter emotionaler Stress und während ich bei meinem Gegenüber wie ein Psychiater rüber komme, immer Tipps und Tricks auf lager und unglaublich einfühlsam sein kann, muss ich zeitgleich kontrollieren, dass der andere meinen zitternden Körper nicht bemerkt. 
Das ist auch in anderen Stresssituationen, ein unkontrollierbares zittern und vor allem wenn ich mich aufrege, fange ich schnell an zu weinen. Meine Emotionen, habe ich schwer im Griff. 

Was viele nicht wissen: 

Gerade typische Borderline-Symptome sind Stimmungsschwankungen und Gefühlsstürme. 
Man erlebt täglich eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die man nur schwer bis eigentlich gar nicht, kontrollieren kann. Der Auslöser können für andere als völlig belanglos erscheinen, doch als Borderliner reagiert man sehr sensibel auf äußere Ereignisse. Man fühlt sich schnell überfordert oder unter Druck gesetzt. Diese Momente sind meist nur von kurzer Dauer, aber verursachen jedes mal eine starke innere Unruhe. 

Als Borderliner hat man sehr starke Selbstzweifel, was schnell zu der emotionalen Zerstreuung führt und vor allem zu meiner für mich schwersten Bürde - der Verlustangst und der Angst vorm Alleinsein führt. 

 

 

 

Ich habe unheimlich Angst meinen Freund oder Freunde zu verlieren. 
Was mich schnell zur Eifersucht oder eben dem Rückzug treibt. 
Ich lasse sehr schwer Menschen an mich heran, was dazu führt, dass es oft schwer ist, sich mit mir zu treffen oder zu kommunizieren. 
Ich bin ein total offener Mensch (was auch mein Blog und Instagram beweist), aber geht es um wirklich wichtige Dinge, bin ich meist ein verschlossenes Buch.

Mein Freund meckert oft darüber, weil ich eher Dinge runter schlucke, als darüber zu reden, bis ich die Last nicht mehr tragen kann und einfach zusammen breche. 
Ich bin gerade bei anderen Menschen unheimlich unsicher, wenn sich Leute bei mir nicht melden, mal einen komischen Smiley verwenden oder mit anderen Leuten mehr machen und mich dafür permanent versetzen, zweifel ich sehr schnell an mir. 
Ich habe dann schnell das Gefühl alles falsch zu machen und bin sehr schnell verletzt. 
Einsamkeit - Alleinsein, ist für mich der wohl unerträglichste Zustand, die Ironie - nur in der Partnerschaft. 

Für mich ist es wie ein Ohnmachtsgefühl, wenn mein Freund über ein Wochenende weg fährt oder ich weg fahre. Dann wird geweint was das Zeug hält, denn mein Partner ist für mich mein Zuhause, mein Halt und mein Zufluchtsort, der mir dann in diesem Moment genommen wird. 
Während viele andere Borderliner prinzipiell nicht mit dem Alleinsein klar kommen und auch Zuflucht unter Menschen suchen, hasse ich Menschenmassen und generell fremde Menschen. 
Vor allem im Kino, im Flugzeug, in der Bahn oder egal wo, müssen meine Freunde um mich herum sitzen, denn ich bekomme teilweise nahezu Beklemmungen in der Gegenwart von Fremden. 

 

Das war mal wieder ein kleiner Einblick in meine Welt des schwarz-weißen. 
Es wird bestimmt noch einen neuen Beitrag in naher Zukunft geben. 

Lasst mir doch ein Feedback da ♥

 

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Kommentare: 7
  • #1

    Sarah (Montag, 22 Oktober 2018 11:56)

    Du machst mich Sprachlos mit dem Text! Besser hätte ich es nicht wiedergeben können, obwohl ich mich 1:1 in deinem Text wiederfinde.

  • #2

    Jenny.plmn (Montag, 22 Oktober 2018 12:09)

    Ein wundervoller Text liebe Zarina Danke das du uns so an deinem Leben und Vorallem an deinem Leben als Borderliner teilhaben lässt. Zu dem das du dich nur sehr schwer von deinem Partner trennen kannst passt der Spruch „Manchmal ist Zuhause kein Ort, sondern ein wichtiger Mensch.“ unglaublich gut und denk immer dran Freunde kann man nicht verlieren man verliert nur Menscheb die Vorgaben Freunde zu sein ✨❤️

  • #3

    li_sa_.plnz (Montag, 22 Oktober 2018 12:33)

    Mir verschlägt es die Sprache.. ein mega Text bei dem ich mir die ein oder andere Träne verkneifen musste, weil ich mich bei manchen Stellen selbst wiedergefunden habe.

    ❤�

  • #4

    Nicky (Montag, 22 Oktober 2018 13:41)

    Sehr gut geschrieben..man fühlt sich endlich verstanden ❤

  • #5

    Marie (Montag, 22 Oktober 2018 13:49)

    Sehr schön geschrieben!:)

  • #6

    Annika (Montag, 22 Oktober 2018 15:38)

    Ein so wahrer Text der mich 1:1 beschreibt. Obwohl es mir momentan echt gut geht. Dank sehr netten Menschen bei denen ich 4Wochen Praktikum gemacht habe, habe ich gelernt ich zu sein und ehrlich mit anderen umzuspringen. Auch besser mit meinen Gefühlen klarzukommen die immer Mal wieder eine eigene Musik spielen.

    Danke für diesen sehr berührenden Text. Zwischen durch kamen die Tränen, weil deine Worte mich so berührt haben und ich mich immer und immer wieder darin wiederfand.
    Wir werden immer mit Borderline leben.. die Kunst ist es tatsächlich nicht darunter zu leiden sondern damit zu leben und immer nach vorne schauen. �

  • #7

    Saskia (Montag, 22 Oktober 2018 19:51)

    Was ein unfassbar schöner Text. Ein paar Tränen sind gelaufen, bei dem Gedanken daran, wie schwer es dir gefallen muss dich zu dem ganzen Thema zu öffnen. Es ist wirklich unglaublich berührend und unfassbar ehrlich und genau, dass ist es, was mir am Besten an dir, an deinem Blog und auch an deiner Insta-Seite so gefällt. Bleib wie du bist!